Zurück zu Branchen
BRANCHEN · ENERGIE & NETZBETRIEB

Netzbetrieb ist Betrieb. Sicherheit auch.

Wir kommen aus dem Energieumfeld: Overlay-Netze über gewachsene Infrastruktur, sichere Integration von Fremdsystemen, PAM für privilegierten Zugriff und SCADA-Gateways mit Protokollinspektion. Wir planen Architektur und Segmentierung, härten sie und betreiben sie weiter — entlang § 5c EnWG und den IT-Sicherheitskatalogen der Bundesnetzagentur.
§ 5c EnWG ISO 27019 SCADA-Gateways · PAM · Overlays

Was wir vorfinden

Das BSI beschreibt die Lage im Energiesektor zutreffend, aber aus der Vogelperspektive: Dezentralisierung, Sektorkopplung, Supply-Chain-Angriffe auf Wechselrichter und Netzleittechnik. Was wir in den Umgebungen selbst finden, ist konkreter und älter.

Das Overlay des armen Mannes. Fast überall steht OpenVPN, weil es im Gerät schon drin war. Die Authentifizierung ist schwach, überwacht wird der Tunnel nicht, und was darin passiert, sieht niemand. Auf den Gateways liegen keine oder nur rudimentäre Policies — laterale Bewegung gelingt praktisch immer. Dazu ein Master Key: einmal drin, überall drin.

Dass dieser eine Schlüssel bleibt, ist kein Versehen. Er macht den Betrieb einfach, und er erspart die Schlüsselrotation. Diese Anlagen sind auf zwanzig Jahre und mehr ausgelegt, und die Menschen, die sie gebaut haben, gehen mit ihnen in Rente — das ist die eigentliche Motivation hinter vielem, was wir vorfinden. Unsere Gegenthese: Menschen an diesen Systemen sollten alle fünf bis sieben Jahre wechseln, und die Systeme und Prinzipien selbst gehören alle drei bis fünf Jahre in Frage gestellt.

Segmentierung, die keine ist. Getrennt wird nach IP-Bereichen, nicht nach Anwendung und Rolle. Die Trennung zwischen Erzeuger- und Verbraucherseite, die eigentlich die wichtigste wäre, fehlt in den meisten Umgebungen ganz. Es stehen Firewalls führender Hersteller, oft in guter Hardware — nur ohne Zonenkonzept dahinter. Das Regelwerk ist über Jahre gewachsen, niemand führt eine einzige Quelle der Wahrheit, und gebaut wurde alles so, dass es läuft.

Die Server sind der blinde Fleck. Linux und Solaris, in Einzelfällen noch Tru64 als Hostsystem. Wer dort Einblick hat, ist selten derselbe, der die Netzwerke verantwortet. Über die Jahre entstehen stille Overlays und Administrationszugänge, die in keiner Dokumentation stehen. Auf einzelnen Systemen läuft weiterhin Telnet, weil es funktioniert und weil man es kennt.

Physischer Zugriff ist trivial. Boxen im Feld stehen dort, wo jeder hinkommt. Oft genügt eine serielle Konsole, und das System liefert eine Root-Shell. Cold-Boot-Angriffe, also das Auslesen des Arbeitsspeichers unmittelbar nach einem Neustart, sind damit kein Laborszenario mehr. Gegen beides hilft keine Firewall.

Und wenn Erkennung existiert, ist sie zu langsam. EDR oder XDR sind oft vorhanden. Was fehlt, ist jemand, dessen Aufgabe es ist, hinzusehen, und ein Prozess, der in Stunden statt in Wochen greift. Eine Exfiltration ist längst abgeschlossen, bevor die erste Freigabe erteilt wurde.

Drei Stufen fordert das BSI. Gebaut werden müssen sie trotzdem.

Das BSI fordert in seinem Positionspapier zum Energiesektor einen dreistufigen Ansatz: Basisabsicherung der gesamten OT- und IT-Netze, gezielte Härtung zentraler Komponenten wie Netzleittechnik, virtueller Kraftwerke, Speicher und Wechselrichter, und hochsichere Absicherung exponierter Systeme wie Netzkoppelpunkte und Steuerzentralen.

Dem ist inhaltlich nichts hinzuzufügen. Die Frage ist, was daraus im Betrieb wird — und da endet die Stufung in der Praxis meist bei Stufe eins, weil sich Stufe zwei und drei nicht kaufen lassen.

Basis heißt: eine Quelle für Identitäten und Regeln. Nicht fünf Benutzerdatenbanken, nicht ein Regelwerk pro Werkzeug. Solange jedes System seine eigene Wahrheit führt, gleicht sie nach sechs Monaten niemand mehr ab, und der Master Key bleibt, weil er der einzige Weg ist, der überall funktioniert.

Härtung zentraler Komponenten heißt: terminieren statt durchreichen. Zwischen Prozessnetz, Anlagennetz und Büro-IT steht bei uns ein System, das das Protokoll beendet, prüft und nur Zulässiges weitergibt — Proxy, Sprungpunkt oder protokollbewusstes SCADA-Gateway. Eine Firewall-Regel, die ein Netzwerk einfach weiterreicht, erfüllt die Anforderung auf dem Papier und nicht im Ernstfall.

Exponierte Systeme heißen: Zugriff hat ein Ende. Herstellerfernwartung läuft über eine PAM-Strecke mit Freigabe je Einsatz, festem Zeitfenster und Sitzungsaufzeichnung. Keine dauerhaft hinterlegten Anmeldedaten, kein stiller Tunnel, der seit Jahren offen ist.

Auf dieser Grundlage haben wir Anomalieerkennung mit Machine Learning betrieben. Prozessverkehr ist im Normalbetrieb sehr regelmäßig — feste Gegenstellen, feste Funktionscodes, feste Takte. Das macht ihn zu einer der wenigen Umgebungen, in denen ein gelerntes Normalbild wirklich trägt. Die Modelle laufen am Gateway und am Übergabepunkt, nicht auf den Feldgeräten, und sie greifen nicht in die Steuerung ein: Sie melden die Abweichung an den Menschen, der sie bewerten kann.

Diese drei Schritte sind kein Produkt und keine Migration. Sie sind Architekturarbeit, danach Betrieb — und genau deshalb sind sie die Arbeit, die liegen bleibt.

Ladeinfrastruktur ist ein IT-Problem

Im Mai 2026 hat das BSI einen eigenen Lagebericht zur öffentlichen Ladeinfrastruktur veröffentlicht. Sein Befund dreht die übliche Erzählung um: Die Normen sind in Ordnung. ISO 15118 und OCPP entsprechen inzwischen weitgehend dem Stand der Technik. Was fehlt, ist die Umsetzung — Transportverschlüsselung, Sperrlisten und moderne kryptographische Verfahren werden laut Bericht „häufig nur eingeschränkt oder optional implementiert, teilweise aus Gründen der Abwärtskompatibilität“.

Das deckt sich mit dem, was wir sehen. OCPP selbst ist ein Denial-of-Service-Vektor: Die Decoder trennen nicht sauber zwischen gültigen und ungültigen Nachrichten. Wer einmal sprechen darf, kann senden, was er will, und den Host überlasten. In OCPP 1.5 gehen Karten-IDs noch unverschlüsselt über HTTP, mit allem, was an Wiedereinspielung daraus folgt.

Der zweite Befund des BSI ist der interessantere: Die Backend-Seite — Abrechnung und Lastmanagement — ist bislang kaum untersucht worden. Dort liegt aber das Geschäft. Ein Ladepunkt, der falsch abrechnet, ist teurer als einer, der nicht lädt.

Deshalb behandeln wir Ladeinfrastruktur nicht als Energietechnik, sondern als verteilte Anwendungslandschaft: saubere Mandantentrennung, kontrollierte Schnittstellen zu Roaming- und Abrechnungspartnern, ein nachvollziehbarer Rollout-Weg über hunderte Feldgeräte, und dieselbe Regel wie überall — der Übergang terminiert, prüft und gibt weiter.

Das BSI nennt auch die regulatorische Lage unübersichtlich: viele technische Vorgaben sind unverbindlich, für Authentifizierung, Bezahlung und Datensicherheit bestehen kaum spezifische IT-Sicherheitsanforderungen, und für Bereiche wie die Public-Key-Infrastruktur oder Energy-Management-Systeme existieren bislang keine definierten Prüfprozesse. Wer wartet, bis daraus eine Pflicht wird, baut später unter Zeitdruck.

Was sich als erstes lohnt

Der erste Schritt ist fast immer ein ehrliches Bild der Übergänge. Nicht ein neues Werkzeug, sondern die Frage: Wo redet welche Zone mit welcher, worüber, und wer hat das freigegeben. Danach in dieser Reihenfolge: Fernwartung auf einen kontrollierten Weg, eine führende Quelle für Identitäten, Konfigurationsstände aus Code statt aus Erinnerung — und für die Ladeseite die Backend-Härtung.

Quellen: BSI, Positionspapier „Cybersicherheit im Energiesektor Deutschlands“; BSI, „Bericht zur IT-Sicherheit der öffentlichen Ladeinfrastruktur“, veröffentlicht am 07.05.2026.

Konkrete Angebote

Was Sie übernehmen lassen können

  • Segmentierungs-Assessment Energie

    Zonen und Übergänge zwischen Prozessnetz, Anlagennetz und Büro-IT prüfen — inklusive Bewertung, wo auf Protokollebene getrennt werden muss.

  • PAM für privilegierten Zugriff

    Privileged Access Management für Hersteller-, Dienstleister- und Administratorzugriffe: Freigabe je Einsatz, Zeitfenster, Sitzungsaufzeichnung, keine dauerhaft hinterlegten Anmeldedaten.

  • Overlay-Netze über gewachsene Infrastruktur

    Eigene verschlüsselte Transportebene für Standorte und Anlagen, ohne die darunterliegenden Netze zu vermischen — planbar in Stufen statt als Komplettumbau.

  • SCADA-Gateway mit Protokollinspektion

    Übergang ins Prozessnetz, der das Protokoll terminiert, prüft und nur Zulässiges weitergibt. Sichere Integration von Fremd- und Herstellersystemen läuft über denselben Weg.

  • Anomalieerkennung für Prozessverkehr

    Gelerntes Normalbild von Gegenstellen, Funktionscodes und Takten; Abweichungen gehen an den Übergabepunkt und an den Menschen, der sie bewertet.

  • ISMS-Aufbau nach ISO 27019

    Geltungsbereich, Risikoregister, Maßnahmen und Nachweise für den IT-Sicherheitskatalog — vorbereitet für den externen Auditor.

  • Single Source of Truth für Identitäten

    Ein führendes Verzeichnis, aus dem Netzwerk, Server, Endpoints und Anwendungen versorgt werden.

  • Automatisierter Betrieb mit Ansible und Terraform

    Regelwerke, Konfigurationsstände und Patch-Rollout reproduzierbar, versioniert und rückrollbar.

  • Betrieb für Lade- und Abrechnungsplattformen

    Backend-Härtung, Mandantentrennung, kontrollierte Partner-Schnittstellen und nachvollziehbare Feldgeräte-Rollouts.

Regulatorischer Rahmen

Die vier, die wirklich beißen

Der Energiesektor hat eine eigene Normenkette. Vier Dokumente entscheiden, was Sie tatsächlich tun müssen — der Rest kommt hinzu, ändert aber selten die Reihenfolge der Arbeit. Ebenfalls berührt: NIS2, die KRITIS-Pflichten des BSI-Gesetzes, ISO 27001, und für die Ladeseite CRA und AFIR.

  • § 5c EnWG
    Energiewirtschaftsgesetz · § 5c IT-Sicherheit im Anlagen- und im Netzbetrieb, Festlegungskompetenz

    Die gesetzliche Grundlage: angemessener Schutz der Telekommunikations- und EDV-Systeme, Maßstab sind die IT-Sicherheitskataloge der Bundesnetzagentur. Operativ heißt das, dass Sie den Geltungsbereich benennen, die Übergänge beschreiben und beides im laufenden Betrieb halten müssen — nicht einmalig zum Audit.

  • IT-Sicherheitskatalog Netze
    IT-Sicherheitskatalog für Strom- und Gasnetze · Bundesnetzagentur, August 2015

    Zertifiziertes ISMS für die Systeme, die für sicheren Netzbetrieb notwendig sind, plus benannte Ansprechperson für IT-Sicherheit. Der teure Teil ist die Abgrenzung: Was gehört zum Geltungsbereich, wenn Büro-IT und Prozessnetz an dreizehn Stellen gekoppelt sind? Wir arbeiten die Übergänge ab, bevor wir den Geltungsbereich festschreiben.

  • IT-Sicherheitskatalog Anlagen
    IT-Sicherheitskatalog für Energieanlagen · Bundesnetzagentur, Dezember 2018

    Gilt für KRITIS-Energieanlagen und verlangt ebenfalls ein zertifiziertes ISMS, bezogen auf die Anlagensteuerung. Wir führen den Anlagenteil getrennt vom Büro-IT-Geltungsbereich, weil die Risikoprofile und die Wartungsfenster nicht dieselben sind — ein gemeinsamer Geltungsbereich erzeugt Auflagen, die im Anlagenbetrieb niemand einhalten kann.

  • ISO 27019
    ISO/IEC 27019 · Informationssicherheit für die Energieversorgung

    Die energiespezifische Ergänzung zu ISO 27002: Prozesssteuerung, Fernwirktechnik, Stationsautomatisierung, Fernwartung. Der Grund, warum ein Standard-ISMS aus der Büro-IT hier nicht reicht. Die Controls landen dort, wo sie wirken — am Übergang und im Prozessnetz, nicht in einem Dokument über das Prozessnetz.

Branchen-Fakten

Stand: 2026-09 · Quelle: dynexo Operations
Typische MandateNetzbetrieb · Energieanlagen · Stadtwerke · Lade- und Abrechnungsplattformen
Häufigste TriggerAuditvorbereitung nach IT-Sicherheitskatalog, Umbau der Fernwartung, Zusammenlegung gewachsener Netze
Typisches BetriebsmodellOn-Premise für Prozess- und Anlagennetz, EU-gehostet oder on-premise für die IT-Seite
Kernregulierung§ 5c EnWG · IT-Sicherheitskataloge der Bundesnetzagentur · ISO 27019
Was wir zuerst anfassenÜbergänge, Fernwartung, führende Identitätsquelle
Wiederkehrende BausteineOverlay-Netze · SCADA-Gateways mit Protokollinspektion · PAM · Anomalieerkennung auf Prozessverkehr
WartungsfensterKnapp und selten · jede Änderung getestet und rückrollbar
BetriebsstufenManuell, automatisiert oder per Playbook — pro Bereich wählbar
Oft gefragt

Was vor dem Briefing oft gefragt wird

  • Müssen wir ein ISO-27001-Zertifikat haben?
    Für Netzbetreiber und für KRITIS-Energieanlagen verlangen die IT-Sicherheitskataloge der Bundesnetzagentur ein zertifiziertes Managementsystem — dort ist es Pflicht, nicht Kür. Unsere Haltung dazu bleibt trotzdem: Ein Zertifikat belegt, dass Maßnahmen angewendet wurden, nicht wie gut. Wir bauen zuerst den Betrieb, aus dem die Nachweise fallen.
  • Können Sie in der Leittechnik Agenten ausrollen?
    In der Regel nicht, und das ist auch selten nötig. Auf Geräten der Fernwirk- und Stationsebene arbeiten wir ohne Agenten: Trennung auf Protokollebene, terminierende Übergänge, Inspektion und Auswertung am Gateway. Agenten setzen wir dort ein, wo sie hingehören — auf Servern, Arbeitsplätzen und Engineering-Systemen.
  • Wie gehen Sie mit Herstellerfernwartung um?
    Ein Weg für alle, über PAM. Zugriff über einen kontrollierten Sprungpunkt, Freigabe je Einsatz, festes Zeitfenster, Sitzungsaufzeichnung. Der Hersteller bekommt keinen dauerhaften Tunnel in das Anlagennetz und keine dauerhaft hinterlegten Anmeldedaten, und Sie bekommen eine Aufzeichnung dessen, was passiert ist.
  • Wo setzen Sie Machine Learning ein — und wo nicht?
    Bei der Anomalieerkennung auf Prozessverkehr. Dort gibt es ein enges, stabiles Normalbild, und Abweichungen davon sind ein brauchbares Signal. Die Modelle laufen am Gateway und am Übergabepunkt, nicht auf Feldgeräten, und sie greifen nicht in die Steuerung ein. Was sie liefern, ist ein Hinweis für den Menschen, der ihn bewertet — keine automatische Reaktion im Prozessnetz.
  • Betreiben Sie auch die Ladeinfrastruktur-Seite?
    Ja, als IT-Plattform: Backend, Schnittstellen zu Roaming- und Abrechnungspartnern, Mandantentrennung, Rollout und Betrieb der Feldgeräte-Anbindung. Für die eich- und messrechtlichen Anforderungen der Abrechnung arbeiten wir mit Ihren Fachverantwortlichen zusammen — das ist eine juristisch-metrologische Frage, keine rein technische.
Nächster Schritt

Wie sieht Ihre Trennung zwischen Netzwerk, Anlage und Büro-IT wirklich aus?

Im Branchen-Briefing gehen wir Ihre Zonen und Übergänge durch, ordnen sie gegen § 5c EnWG und den zuständigen IT-Sicherheitskatalog ein und benennen die Punkte, die zuerst Arbeit brauchen.